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Ich habe letztes Jahr meinen „großen Traum“ verkauft. Schon von klein auf hatte ich den Traum von einem eigenen Pferd, den mir meine Eltern nicht erfüllen konnten. Als ich selbst verdient habe, konnte ich ihn mir endlich erfüllen. Ich wagte sogar den Schritt mir ein junges, unausgebildetes Pferd zu kaufen. Und schon nach drei Wochen habe ich einen „Fehler“ begangen, der im Grunde genommen nicht mal ein Fehler war. Aber diese eine Entscheidung hat mich mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gebracht. Fast drei Jahre habe ich an diesem Traum weiter festgehalten. Habe mich durch meine entstandene Angst durchgekämpft. Habe vieles erreicht. Es gab viele Fort-, aber auch Rückschritte. Aber egal wie gut es lief: Die Angst aus diesem einen Moment hat mich gefangen genommen. Hat jede neue schwierige Situation zu einem Drama werden lassen. Hat mich in jeder Situation darauf warten lassen, dass wieder etwas passiert. Ich habe nach und nach mein Selbstvertrauen in meine Fähigkeiten verloren. Mein Pferd, das an dem Unfall nur indirekt beteiligt war, wurde für mich immer wieder zum Angstobjekt. Als ein Umzug anstand, fand ich ein tolles Mädchen, das sie kaufen wollte und ich ließ meinen Traum los.

Im Leben ist es oft so. Manchmal sind die Umstände in unserem Leben schwierig. Uns passiert Schlimmes, wir machen Fehler. Wir sind unzufrieden mit unserem Leben und uns selber. Ich kämpfe häufig mit mir selbst. Bereue Taten zu lange, zweifle an mir selbst und kann vieles nicht auf sich beruhen lassen. Ich lebe viel zu oft in einem defizitorientierten Leben und verlange von mir selbst perfekt zu sein. Dabei begleitet mich seit langem Paulus:

„Nein, liebe Freunde, ich bin noch nicht alles, was ich sein sollte, aber ich setze meine ganze Kraft für dieses Ziel ein. Indem ich die Vergangenheit vergesse und auf das schaue, was vor mir liegt, versuche ich das Rennen bis zum Ende durchzuhalten und den Preis zu gewinnen, für den Gott uns durch Christus Jesus bestimmt hat.“ (Philipper 3,13-14 NL)

Diese Verse ermutigen mich und erinnern mich an drei Dinge:

1. Schau nicht immer zurück!

Schau nicht auf das, was du alles noch nicht kannst. Schau auch nicht immer auf die Fehler die du gemacht hast, wenn sie dir schon längst vergeben sind. Lass dich nicht, wie ich, so oft gefangen nehmen! Ich musste einen radikalen Schritt mit meinem Pferd gehen und es jemand anderem überlassen, um die Vergangenheit zu vergessen. Aber dieser Schritt hat mich in vieler Hinsicht befreit. Ich konnte wieder durchatmen. Lass deine Vergangenheit hinter dir, wenn sie dich belastet und schau auf das was vor dir liegt.

2. Schau nach vorne, aber bleib dabei auch nicht stehen!

Wenn ich mit einem Pferd springe, muss ich den nächsten Sprung immer fest in den Blick nehmen. Aber es reicht nicht den Sprung nur anzusehen. Ich muss auch hin reiten, sonst werde ich ihn nicht meistern. Ich muss nicht in meiner Vergangenheit hängen bleiben. Aber ich soll und darf auch weiter gehen. Für mich ist es ermutigend, dass ich weiter gehen darf. Dass ich nicht bleiben muss wie ich bin in meiner Unzufriedenheit mit mir selbst. Und mit dem Blick aufs Ziel und mit Jesu Hilfe werde ich den Weg auch meistern und er wird mich auch über die ein oder andere Hürde tragen.

3. Das Ziel ist es wert!

Auch in der Zukunft wird es immer wieder die eine oder andere Hürde geben und ich werde versuchen sie zu meistern. Ich will versuchen das Rennen bis zum Ende durchzuhalten und den Preis zu gewinnen, für den Gott uns durch Christus Jesus bestimmt hat. Es ist nicht wie auf dem Reitturnier bei dem nur einer die Prüfung gewinnen kann. Es gewinnt nicht der Schnellste oder der Beste. Gott hat uns dazu bestimmt diesen Preis zu gewinnen und das motiviert mich immer weiter zu „reiten“, immer weiter zu gehen, nicht vor den Hürden stehen zu bleiben. Denn das Ziel ist es wert, sich auf den Weg zu machen, um in Ewigkeit bei ihm zu sein.

Ich hab mir eingestanden, dass ich diese Vergangenheit, „mein Pferd“, loslassen muss, um wieder weiter zu kommen. Jeder sagt mir, dass wir trotz der Umstände viel erreicht haben. Dass ich ein gut ausgebildetes Pferd verkaufen konnte. Dass der Traum kein Scheitern war. Ich versuche zu akzeptieren, dass ich daran viel gelernt habe und der Schritt des Verkaufs der einzig richtige war. Nach einem Jahr Pause reite ich wieder. Der erste Aufstieg aufs Pferd war furchtbar, zitternd und betend. Aber sobald ich im Sattel war, fühlte ich mich absolut sicher. Die erste Hürde war geschafft. Jetzt erst hatte ich wieder meine erste Reitstunde. Wieder hatte ich Angst, welche Kritik nun auf mich zukommen würde. Aber wieder habe ich die Bestätigung erlebt, dass meine Vergangenheit meine Gegenwart nicht mehr prägen muss und alles gut geht. Manchmal sogar viel besser als gedacht. Jede Hürde bringt mich wieder weiter und ich habe das Ziel im Blick und reite darauf zu. Genauso habe ich Jesus am Ende im Blick und wünsche dir, dass du genau wie ich versuchst, dieses Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Und selbst wenn es mal einen Umweg gibt, werden wir weiter drauf zugehen.

Christine Hübner, 28, Sozialarbeiterin , cjb Ansbach – Mitglied des cjb-Landesvorstands