Das cjb-Osterseminar ist für viele ein Highlight. Zum einen wegen der Gemeinschaft untereinander: Manche haben sich seit dem letzten Osterseminar nicht mehr gesehen. Zum anderen wegen der Themen: Hier tanken viele Mitarbeiter auf und finden es gut, mal an einem Thema dran zu bleiben. In diesem Jahr dachten wir über das Reich Gottes nach. Dr. Michael Diener vom Ev. Gnadauer Gemeinschaftsverband machte sich mit uns auf den Weg, um über diesen sperrigen, manchmal abstrakten und doch auch sehr praktischen Begriff nachzudenken.

Reich Gottes in der Bibel

Nach einem Einstieg, wie wir selbst über das Reich Gottes denken, studierten wir in Kleingruppen die Bibel: Was steht im Alten und Neuen Testament dazu? Welche Darstellungen finden wir? Es war spannend zu entdecken, wie vielfältig Reich Gottes ist: Wenn es um Königtum und Herrschaft einerseits geht, aber auch um die Unverfügbarkeit andererseits – und das Sein im Reich Gottes. Manche Aha-Effekte ergaben sich dabei. Vom biblischen Befund marschierten wir durch die Kirchengeschichte, wie Reich Gottes gelebt und gefüllt wurde – bei Augustinus, Franz von Assisi, aber natürlich auch Luther und im Pietismus bis heute.

Karfreitagabend wurde uns das Passionsgeschehen eindrücklich vor Augen geführt – anhand der weißen Kreuzigung von Marc Chagall. Der jüdische Maler, der das Bild gegen Ende der 1930er Jahre gemalt hat, ließ vom Kreuz her Hoffnung in die Welt leuchten. Er zeigte damit, dass das Reich Gottes mit dem Kreuz unmittelbar zusammenhängt. Wir waren beeindruckt, dass er als Jude das Kreuz in den Mittelpunkt gesetzt hat.

Positionsbestimmung

Im weiteren Verlauf des Seminars waren wir herausgefordert, unsere eigene Position zu finden. Anhand von Texten (zum einen von Joseph Ratzinger, zum anderen von den „Gnadauern“ Volker Gäckle und Tobias Faix) stellten wir fest, dass wir andere Blickwinkel als der ehemalige Papst haben, zum anderen aber vorsichtig sein müssen: Wir können das Reich Gottes nicht selbst schaffen, sondern dürfen uns von Gott gebrauchen lassen. Immer wissend, dass ER am Werk ist. Das war gleichermaßen entlastend und ermutigend.

Der Ostersonntag begann für einige sehr früh: Vor Sonnenaufgang liefen sie zur St. Wolfgangskirche, um in der Krypta eine Auferstehungsfeier zu erleben. Mit dem gemeinsamen Osterfrühstück mit den Schwestern und dem sich anschließenden Ostergottesdienst endete das Osterseminar. Die Botschaft: Als Lebensboten dürfen wir das Reich Gottes leben und weitergeben.